Berlin. Zum am 1. April 2025 veröffentlichten DiGA-Bericht des GKV-Spitzenverbandes erklärt Oda Hagemeier, Geschäftsführerin der eurocom: „Deutschland hat mit den Digitalen Gesundheitsanwendungen seinen Innovationscharakter unter Beweis gestellt und ist Vorreiter in der EU. Ein ganz anderes Bild soll offensichtlich mit dem Bericht vermittelt werden. Es handelt sich hierbei nicht um eine neutrale Darstellung des DiGA-Geschehens, wie man es für einen vom Gesetzgeber vorgesehen Auftrag erwarten dürfte. Aber noch viel gravierender ist, dass der GKV-Spitzenverband nicht die Chancen dieser digitalen Versorgungsform als zukünftige Lösung von Unterversorgungen aufgrund von Fachkräftemangel erkennt. Mit dieser ablehnenden Haltung gegenüber Innovationen und Fortschritt – wie sie sich auch in anderen Versorgungsbereichen zeigt – können die großen Herausforderungen, vor denen das deutsche Gesundheitswesen jetzt steht, nicht gelöst werden.“
Der GKV-Spitzenverband legt gemäß § 33a Absatz 6 SGB V dem Deutschen Bundestag über das Bundesgesundheitsministerium jährlich einen DiGA-Bericht vor, „wie und in welchem Umfang den Versicherten Leistungen nach Absatz 1 zu Lasten seiner Mitglieder gewährt werden.“ In seinem am 1. April 2025 veröffentlichen Bericht beklagt der GKV-Spitzenverband unter anderem, dass die Preise und der Nutzen für DiGAs in keinem angemessenen Verhältnis stehen. Der Verband führt weiter an, dass bis zum 31. Dezember über eine Million DiGAs verordnet oder von den Krankenkassen genehmigt wurden. Die Leistungsausgaben im Berichtszeitraum (1. September 2020 bis 31. Dezember 2024) betragen 234 Millionen Euro. Laut Bericht werden DiGAs am häufigsten zur Behandlung von psychischen Erkrankungen in Anspruch genommen (30 Prozent). Danach folgen DiGAs, die Stoffwechselkrankheiten (28 Prozent) und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (16 Prozent) adressieren. Zu den am häufigsten verordnenden Ärzten gehören nach den Hausärzten die Fachärzte für Orthopädie.
Der bereits bestehende Fachkräftemangel insbesondere bei Heilmittelerbringern wie Physiotherapeuten – und damit bei den Therapien rund um den Muskel-Skelett-Apparat – ist enorm und braucht Lösungen. Einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung von Oktober 2024 zufolge fehlen bei den Physiotherapeuten über 11.000 Fachkräfte. Damit verzeichnet dieser Berufszweig den größten Mangel im Gesundheitswesen. „So eine Lücke kann abgemildert werden, wenn zum Beispiel Patienten eine DiGA zur Therapie nach einer Verletzung des Kniegelenks oder der Schulter nutzen. Das entlastet die Heilmittelerbringer und gibt dem Patienten die Möglichkeit auf eine zeitnahe und durchgängige Therapie“, sagt die eurocom-Geschäftsführerin.
Auch die vom GKV-Spitzenverband angeführten Zahlen sind offenbar reine Belege für die vorgefasste Abwehrhaltung. Gesamtkosten der GKV von 234 Millionen Euro für eine Million Versorgungen seit Einführung der DiGAs ergeben durchschnittlich 234 Euro pro verordneter App. „Führt man sich vor Augen, wie viele Stunden Therapie dahinter stehen und welchen Nutzen DiGAs Patienten bietet, kann man sich über die abwehrende Haltung der Krankenkassen nur wundern. Und einen Anstieg der Inanspruchnahme von DiGAs von 85 Prozent seit 2023 zu beklagen, ist Augenwischerei seitens des GKV-Spitzenverbandes. Schließlich gibt es DiGAs erst seit 2020 in der Regelversorgung der GKV. Natürlich sind Steigerungen gerade zu Anfang hoch, wenn sich neue Versorgungsformen nach und nach bei Ärzten und Patienten durchsetzen“, so Hagemeier.
Die eurocom erteilt den Vorschlägen einzelner Krankenkassen, die DiGAs erst zu bezahlen, wenn der einzelne Versicherte diese fortlaufend nutzt, eine Absage. Die Therapiehoheit liegt beim behandelnden Arzt und gerade eben nicht bei der Krankenkasse. Auch in anderen Versorgungsformen gibt es keine „Verordnung auf Probe“. „Stellen Sie sich vor, Ihre Krankenkasse übernimmt erst die Kosten für die vom Arzt verordneten Schmerzmittel, wenn Sie nachweisen, dass Sie die ersten Tabletten auch geschluckt haben,“ kommentiert Hagemeier. Deshalb muss es dabei bleiben: der Arzt überprüft die Wirksamkeit der Versorgung und die Therapietreue des Patienten nach medizinisch begründeten Grundsätzen.
Oda Hagemeier erklärt abschließend: „Der GKV-Spitzenverband betreibt Schwarzmalerei statt die Chancen, die DiGAs bieten, aufzugreifen und zu fördern. Es sollte Aufgabe aller im Gesundheitswesen sein, solche neuen Möglichkeiten zu verbessern. Es wäre daher notwendig, dass der GKV-Spitzenverband alle Perspektiven auf den DiGA-Markt in seinem Bericht, zu dem er vom Gesetzgeber beauftragt wurde, aufzeigt.“
Die eurocom ist eine der maßgeblichen Herstellervereinigungen von digitalen Gesundheitsanwendungen, die seit September 2020 als Versorgungsform in der GKV etabliert wurden. Die eurocom sieht DiGAs als Chance und für die Zukunft tragfähige Möglichkeit der Versorgung gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen.
Über eurocom
eurocom ist die Herstellervereinigung für Kompressionstherapie, orthopädische Hilfsmittel und digitale Gesundheitsanwendungen. Der Verband versteht sich als Gestalter und Dialogpartner auf dem Gesundheitsmarkt und setzt sich dafür ein, das Wissen um den medizinischen Nutzen, die Wirksamkeit und die Kosteneffizienz von Kompressionstherapie und orthopädischen Hilfsmitteln zu verbreiten. Zudem entwickelt eurocom Konzepte, wie sich die Hilfsmittelversorgung aktuell und in Zukunft sicherstellen lässt. Dem Verband gehören die maßgeblichen Unternehmen aus den Bereichen Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel an, die im deutschen und europäischen Markt tätig sind.